Montag, 6. Oktober 2014

Verläufe


O'Keefe, Moser und Moser kriegen nen Preis für Positionierungszellen im Hirn und während ich das im Auto höre, dreh ich die Sache einfach rum. Klar, Orientierung ist meistens ganz schön, aber hin und wieder... Nein, jetzt schreit nicht wieder BLÖÖÖDE FRAGE, WER WILL SICH SCHON VERIRREN; SCHWACHSINN HIER; ICH GEH WIEDER BEAUTYBLOGS LESEN, verschiebt die Beautyblogs auf später, lasst euch drauf ein.

(Achtung, Absatz über Bücher, könnt ihr überspringen, fands nur grad interessant)
Das widerstrebende Moment von Verirren und Orientieren zieht sich quer durch die Jahrtausende, beginnend mit Theseus, für den die Orientierung durch Ariadnes roten Faden allein ihn vor dem Tod im Labyrinth des Minotaurus bewahrt hat, hin zu Aschenbach, der sich vor lauter Cholera nicht mehr in Venedig zurechtfindet - aber trotzdem: Was wäre mit dem Erzähler aus Dantes Göttlicher Komödie, den es in die Unterwelt, die Hölle, den Nimbus und letztlich den Himmel gezogen hat, geschehen, wenn er sich nicht verlaufen hätte, wie er in seinem ersten Satz des Werkes feststellt:

Dem Höhepunkt des Lebens war ich nahe
da mich ein dunkler Wald umfing und ich, verirrt,
den rechten Weg nicht wiederfand.

Verirren also als Grundlage von Erkenntnisgewinn und vielleicht auch Abenteuer (vergleiche Popkultur -> LOST) - nicht zu vergessen die Heckenlabyrinthe, in denen sich die Oberschicht die Zeit vertrieben hat und vermutlich manche halbnackte Stunde durchlebt haben.

Also warum nicht mal wieder gepflegt den Weg nicht mehr wissen?

Ohne jemals dagewesen zu sein stelle ich mir ne total orientierungslose Nacht in Barcelona ziemlich romantisch vor (jaa, das geht bestimmt nüchtern und betrunken ganz gut). So durch die kleinen Gassen der Altstadt taumeln, von einer Bar in die nächste und wen kümmerts schon, wo das Hotel liegt, wenn einem die Sonne am nächsten Morgen den Weg weist?

 Also, ein kleines Pamphlet gegen Geradlinigkeit. Jetzt: Ihr zurück zu den Lidschattenbloggerinnen (Apropos geradlinig. Schön mit nem schlechten Wortwitz abgeschlossen. Ich geh mich mal feiern.)