Sonntag, 21. September 2014

Wertschätzung


Keine klare Antwort. Hängt ganz stark davon ab, wer genau die "anderen" sind und um welche Situationen es geht. Meine engsten Freunde und meine Familie haben das Recht jederzeit und verdienen es auch, dass ich mich mal fünfzehn Minuten hinsetze und intensiv darüber nachdenke - schließlich wollen diese Menschen das beste für mich und für die Beziehung, in der wir zueinander stehen. Dabei vergesse ich aber nicht, dass ein zu enges Verhältnis zwischen Menschen oft ein Stolperstein für die Wahrheit ist.

Wenn ein vollkommen Fremder mir sagt, dass er es überhaupt nicht okay fand, wie grimmig ich den Busfahrer begrüßt habe (soll ab einer Verspätung von 10 Minuten schon mal vorkommen, obwohl ich mir meist viel Mühe gebe, es zu verbergen, ), denke ich zumindest drüber nach (komme zwar zu dem Ergebnis, dass ich ruhig pissig sein darf, wenn ich meinen Anschluss verpasse, aber immerhin, ich denke drüber nach). Schließlich muss ich bei diesen Menschen nicht in Betracht ziehen, dass sie aufgrund dessen, was zwischen uns ist, Hintergedanken hegen oder mir nach dem Mund reden.

Also ein gewisses Interesse wecken diese fremden Meinungen schon in mir. Dabei ist es jedoch oft paradoxerweise so, dass ich kritische Kommentare über meine Person hilfreicher finde als Lob oder Anerkennung. Nicht, dass ich das aus Prinzip nicht hören wollte, überhäuft mich ruhig mit Huldigungen für Blog und App (wer mich an dieser Stelle ernstnimmt - SOFORT RAUS HIER!), aber das sind doch sehr kleine Spannungsimpulse für die Endorphinbatterie und machen nicht langfristig glücklich. Sie hinterlassen nur das Bedürfnis nach meeehr davon.

Kritik hingegen ermöglicht mir die einmalige Chance, mich selbst aus einer fremden Perspektive zu sehen, die mir selbst versperrt bleibt und mir einen Anreiz bietet, mein Verhalten zu reflektieren. Ab da stehen mir zwei Wege offen: a) Kritik ablehnen oder b) Kritik annehmen.

 Szenario a) Ich lehne die Kritik ab
Könnte heißen: Du Depp, du hast aber auch wirklich gar nichts verstanden. Tut es aber meistens nicht. Stattdessen komme ich nicht umhin, den Mut der Menschen, eine sachlich formulierte Krizik zu äußern, zu bewundern. Würde ich mir öfter wünschen. (Zeugt übrigens erfahrungsgemäß auch von nem starken Charakter.)

 Szenario b) Ich nehme die Kritik an
Die Bewunderung für den Mut bleibt bestehen. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass jemand (vielleicht aus eigennützigen Motiven, aber das ist im Moment egal) versucht, mich und die Welt ein bisschen besser zu machen - und hey, das ist doch ein Anliegen, das volle Unterstützung verdient.

Wer sich also traut, mich zu kritisieren, hat nichts zu verlieren (In diesem Sinne: Eine ehrliche Meinung zum Blog oder der App in den Kommentaren wären ein super Weg, um dir meine Anerkennung zu sichern ;))

tl;dr: Gerade bei Kritik an meiner Person lege ich recht viel Wert darauf zu hören, was man über mich denkt, solange sie sachlich ist und mich nicht persönlich angreift. Wer positives Feedback hat, nehme ich das auch immer mal wieder gerne an, aber zuviel davon ist schlecht für den Charakter.