Sonntag, 14. September 2014

Gedankenspiele


Unser Hirn (oder verallgemeinere ich da zu sehr?) ist ein mysteriöses Etwas. Meins zum Beispiel schafft es regelmäßig, wenn ich auf der Arbeit bin, daran zu denken, dass ich noch unbedingt was im Internet recherchieren wollte - nur ist der Gedanke wie weggeblasen, sobald ich am PC sitze. Das Spiel wiederholt sich über ein paar Tage hinweg, bis ich irgendwann entnervt die Suchanfrage auf einem Stück Papier notiere, in der Hoffnung, dass es mir irgendwann in der Nähe eines PCs wieder in die Finger fällt.

Weniger pragmatisch, aber vom gleichen Prinzip her, sollte das Hirn eigentlich aus Erfahrungswerten zehren können: Bisher wurde jeder Lehrprobenentwurf (beim nochmaligen Lesen musste hier die Kehrprobe eliminiert werden. Proves my point - funny brain.) rechtzeitig fertig, auch wenn es 48 Stunden vor Abgabefrist noch nie danach aussah. Bisher hatten auch fast alle Unternehmungen, an denen ich im Voraus gezweifelt habe, ein glückliches Ende genommen. Und trotzdem: Dieses miese kleine Gefühl der Angst vor jedem neuen Versuch bleibt das gleiche, unabhängig davon, dass es in der Vergangenheit fast jedes Mal unbegründet war, der Pessimismus, dass ausgerechnet dieses eine Mal doch alles anders kommen und mindestens mich wenn nicht sogar das halbe Abendland ins Dunkel stürzen wird, triumphiert mit höhnischem Grinsen.

Was tut das Hirn da nur? Ist es trotz allem Wissenszuwachs in mancher Hinsicht einfach nicht lernfähig? Kommt es gegen meine Instinkte einfach nicht an (und was würde das über Impulskontrolle und ähnliches aussagen)? Ist es einfach nur verdammt vergesslich - und die mangelnde Zuversicht in manchen Situationen vergleichbar mit dem Umstand, dass ich immer aufwendig Einkaufslisten schreibe um sie danach auf dem Küchentisch liegen zu lassen? Handelt es sich vielleicht sogar um einen umgekehrten Dunning-Kruger-Effekt und wäre damit pathologisch? Alles ziemlich frustrierende Vorstellungen: Das Wissen der Welt verdoppelt sich alle vier Jahre, in der gleichen Zeit lerne ich (immerhin) ein paar neue Stilmittel und Namen auswendig, nur der banale Glaube daran, dass auch in Zukunft, trotz manchen Rückschlags, alles gut werden wird, kann sich einfach nicht festigen. Also ich, der Homo Sapiens Sapiens Pessimisticus?

Seien wir ehrlich: Das klingt doch scheiße. Deswegen würde ich gerne häufiger dran denken, dass am Ende alles gut wird (Phrasendrescher: und wenn nicht war es noch nicht das Ende). Warum ich es nicht tue? Vielleicht weiß ich es beim nächsten Mal. Die Optionen oben stehen noch offen.