Samstag, 4. April 2015

Kein Kinderspiel


Womit sollen deine Kinder später spielen?

Eine meiner Lieblingsfragen. Knapp, griffig, so ziemlich die erste, die mir immer in den Sinn kommt, wenn man mich auf die Aussage "Ich sammle Fragen" schief anschaut und um Konkretisierungen bittet.

Eine Lieblingsfrage auch deswegen, weil sie mehr oder weniger lebensnah ist - kein "Angenommen, du könntest..." oder "Was würdest du tun, wenn...", sondern eine Frage, die sich früher oder später tatsächlich in den Leben der meisten Menschen auftut - oder eben offensichtlich nicht.

Ich habe lange überlegt, ob es legitim ist, diese Frage mit diesem Bild zu kombinieren.Wenn ich daran denke, womit meine Kinder später spielen sollen, denke ich immer zuerst mal an Lego (viele tolle Kindheitserinnerungen!) Dann denke ich an Stofftiere und dann an alles, womit man sich im Freien mit Gleichaltrigen beschäftigen kann.

Woran ich nicht denke, sind Plastikimitate von HK33A2-Scharfschützengewehren mit Zielfernrohr.
(Auch wenn irgendwelche Klugscheißer mir jetzt sicher mit Verweis auf das Bild erklären wollen, dass man sich damit ja offensichtlich schon mit Gleichaltrigen im Freien beschäftigen kann - STFU!)

Gerade deswegen habe ich mich nach einiger Bedenkzeit für diese Frage-Bild-Kombination entschieden.
Weil die Kontrastierung etwas suggeriert: Könnte es allen Ernstes Eltern geben, die sich die obige Frage gestellt haben und zu dem Ergebnis kamen "Hey, realitätsgetreu gearbeitete Handfeuerwaffenattrappen! Fördern die Kreativität, regen die Imaginationsfähigkeit an, lehren meine Kinder ein fried- und rücksichtsvolles Miteinander in der Wertegemeinschaft, schulen die Motorik und sind qualitativ hochwertig in Konstruktion und Material!"

Ich will mal nicht per se ausschließen, dass solche Dinge schon mal gedacht wurden. Doch, ich will das per se ausschließen. Der Grundstein für das, was aus Kindern wird, wird im Elternhaus gelegt. Durch das, was man ihnen vorliest, das, was man ihnen vorlebt und eben auch das, was man ihnen zum Spielen in die Hand drückt. Man hat es in der Erziehung nicht immer leicht. Tag für Tag gibt es Situationen, die einen überfordern, an den Rand des Wahnsinns treiben, auf die man spontan und instinktiv reagieren muss, weil keine Zeit zum Nachdenken bleibt, wie ich die kleine Louisa mit der richtigen Wortwahl und einem angemessenen Tonfall davon überzeugen kann, dass das Trinken von Weichspüler mitunter negative Konsequenzen für ihr körperliches Wohlbefinden haben könnte.

Der Kauf von Spielzeug gehört nicht zu diesen Situationen, die mich auf einmal überraschen, sondern zu denen, bei denen ich mir im Voraus darüber klar werden kann, was ich eigentlich für mein Kind will. Die meisten Eltern werden wohl, ganz allgemein, sagen "Das Beste!" Was das konkret bedeutet, darüber kann man sicherlich streiten. Aber ich bin mir sicher, dass keine der unterschiedlichen Meinungen mit einem Bild wie dem obigen in Einklang zu bringen ist.

In diesem Sinne: Frohes Ostereiersuchen.